Kettenreaktion


Kettenreaktion
Dominoeffekt

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Kẹt|ten|re|ak|ti|on 〈f. 20
1. 〈Chem.; Kernphys.〉 chemische od. Kernreaktion, die einmal ausgelöst wird u. ihrerseits weitere Reaktionen derselben Art bewirkt
2. 〈fig.〉 Folge von Reaktionen od. Ereignissen, die durch eine Reaktion bzw. ein Ereignis ausgelöst wurden
● eine atomare, unkontrollierte \Kettenreaktion auslösen; eine \Kettenreaktion der Gewalt in Gang setzen; die \Kettenreaktion unterbrechen; eine ungestört ablaufende \Kettenreaktion

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Kẹt|ten|re|ak|ti|on [ Kette (2)]:
1) in der Chemie eine Folge sich vielmals wiederholender u. sich ggf. miteinander abwechselnder Einzelreaktionen ( Elementarreaktionen), bei denen ständig neue K.-Träger (Radikale oder Ionen) erzeugt werden. Eine K. besteht aus Initiation (Kettenstartreaktion), Propagation (Kettenfortpflanzungsreaktion, Kettenwachstumsreaktion) mit evtl. Kettentransfer u./od. Kettenverzweigung (2) sowie Termination (Kettenabbruchreaktion). Typische K. sind Verbrennung u. Explosion (z. B. Knallgasreaktionen), Autoxidation, Pyrolyse- u. Krackreaktionen, Halogenierung, Sulfochlorierung u. Olefin-Polymerisation;
2) in der Physik svw. Kernkettenreaktion.

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Kẹt|ten|re|ak|ti|on, die:
1. (Physik, Chemie) chemischer, physikalischer od. biologischer Vorgang, der sich nach einmaliger Einleitung von selbst fortsetzt:
eine K. von Kernspaltungen.
2. Folge von [sich steigernden] Ereignissen, die durch ein gleichartiges Ereignis ausgelöst wird:
eine K. von Tätlichkeiten.

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Kettenreaktion,
 
1) Chemie: Bezeichnung für eine Folge sich viele Male hintereinander wiederholender gleicher Einzel- oder Elementarreaktionen; ihr wesentliches Merkmal ist das Auftreten von instabilen, reaktionsfähigen Zwischenprodukten, den Kettenreaktionsträgern (Radikale bei Radikalkettenreaktionen, Ionen bei Ionenkettenreaktionen), die an den einzelnen Kettenreaktionsschritten teilnehmen und ständig wieder zurückgebildet werden. Eine Kettenreaktion besteht aus Start-, Wachstums- und Abbruchreaktion. Bei der Startreaktion bilden sich freie Radikale oder Ionen aus den Ausgangsstoffen (z. B. Zerfall organischer Peroxide, Radikalbildung durch Redoxreaktionen, Einstrahlung von Licht). Daran schließt sich die Wachstums- oder Fortpflanzungsreaktion (als die eigentliche Kettenreaktion) mit einer Vielzahl von Elementarreaktionen an, die zum Produkt führt. Durch die Abbruch- oder Schlussreaktion (z. B. Rekombination) wird die Kettenreaktion beendet; es können sich dabei das Ausgangsprodukt oder neue Endprodukte bilden. Fehlt der letzte Schritt einer Kettenreaktion, so kann die Umsetzung, durch einen einzigen Startvorgang eingeleitet, durch stete Wiederholung der Wachstumsreaktion bis zum vollständigen Verbrauch des Ausgangsmaterials ablaufen. Übersteigt die Zahl der pro Durchgang entstehenden aktiven Zwischenprodukte die Zahl der in der Abbruchreaktion vernichteten, so nimmt die Umsetzungsgeschwindigkeit mit jedem Reaktionszyklus zu, und es kommt zu einem explosionsartigen Reaktionsverlauf.
 
Beispiel einer Kettenreaktion ist die bei Einstrahlung von Licht der Energie hν (h plancksches Wirkungsquantum, ν Lichtfrequenz) einsetzende Chlorknallgasreaktion mit folgenden Reaktionsschritten:
 
Hierbei ist X ein Dreierstoßpartner (Wand, Inhibitor), der die frei werdende Energie aufnimmt. In der eigentlichen Kettenreaktion werden bis zu 3 · 106-mal Wasserstoff- und Chloratome abwechselnd neu gebildet. Nach dem Mechanismus einer Kettenreaktion verlaufen viele Gasreaktionen und Reaktionen in Lösungen (z. B. Crackreaktionen, Halogenierungen, Polymerisationen).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Kernreaktor: Kernspaltung als Kettenreaktion
 
 2) Physik: kurz für Kernkettenreaktion.

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Kẹt|ten|re|ak|ti|on, die: 1. (Physik, Chemie) chemischer, physikalischer od. biologischer Vorgang, der sich nach einmaliger Einleitung von selbst fortsetzt: eine K. von Kernspaltungen. 2. Folge von [sich steigernden] Ereignissen, die durch ein gleichartiges Ereignis ausgelöst wird: eine K. von Tätlichkeiten; die kühne Flucht löste eine K. aus. Vier, fünf, zehn schlüpften durch (Apitz, Wölfe 320); Dabei haben wir Kriege fast ohne Unterbrechung, eine endlose K. seit dem angeblichen Ende des letzten Weltkriegs (Erné, Kellerkneipe 311).

Universal-Lexikon. 2012.

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